Ariodaaaaanteee
Ach, gibt es schönere Liebeserklärungen als mit so wohlgewählten Worten gesungene! Da vergeht doch jedes aufgesetzte “I love you”-Gehauche billiger Blockbuster.
Nun, ich war zum ersten und bestimmt nicht letzten Mal in der Oper und sah und hörte Händels Ariodante.
An die Hosenrolle der Titelpartie musste ich mich nach kurzem, mittelschwerem Schock erst einmal gewöhnen, der Rest war sehr schön und trotz nicht-vorhandener Opernerfahrung und nicht-erfolgtem Programmheftstudium konnte man dennoch ziemlich gut den Künstlern das Maß des Könnens, den Szenen die musikalischen, ästhetischen Höhepunkte und dem Orchester den einen Bläserpatzer abspüren.
Der Böse, Polinesso, ein Altus – seine erste musikalische Äußerung rief ebenfalls leichte Verwunderung bei mir hervor – und die Zofe Dalinda brillierten in ihren Rollen sogar mehr als das Dream-Team-Heldenpaar Ariodante und Ginevra. Wirklich herausragend war Ariodantes desperate Arie, als er den vermeintlichen Betrug seiner Geliebten mit dem Rivalen zu entdecken meint. So traurig schön kann nur Musik Gefühle amplifizieren!
Leider bin ich des Italienischen nicht mächtig genug, als dass ich wirklich in jedem Augenblick hätte mitfiebern können und die versprochenen deutschen Übertitel bestanden aus zwei projizierten Zeilen im Abstand von zehn Minuten (Wer weiß, was für ein Eichhörnchen da hinterm Beamer saß!), aber es genügte. Inzwischen habe ich wieder was gelernt, nämlich über Händels und andere barocke Opern und die zur damaligen Zeit beinahe unerschöpflichen Reichtümer an Arien für Kastraten. Aber auch darüber, wie sehr ich die Leute im Orchestergraben beneide und nicht beneide und doch… – ein bisschen schon – beneide. Darüber, wie ich mich zusammenreißen musste, nicht mal in der Pause auf der Toilette meinen Mund aufzureißen und in den höchsten Tönen imaginär italienischen Singsang zu schmettern. Danke, Mama, dass du immer sagst “Antji, doch nicht so laut!” – ich konnte mich beherrschen, obwohl’s schwer war. Und nicht zuletzt, wie lange eine Oper in 3 Akten dauert: 4 Stunden!
Übrigens wurde meine vorangegangene Sorge um die richtige Kleidung beim Anblick von Schlips und Kragen, Abendkleid und Edelkostüm neben Jeans und Bluse, Schlabberhose und Nebra’er Himmelsscheiben-Shirt relativiert – ja, das Publikum war sehr heterogen und ich mittendrin.

Singst du auch gerne im Bad?
billige Blockbuster = da lacht das Herz eines jeden „poetischen Funtionalen“…
aber es gibt auch schöne Liebesfilme… =)
Bis gleich am Telefön!!!